Kultur und Geschichte - Ortsgeschichte Kronenburg


1277
Kronenburg steigt "wie ein Phönix aus der Asche" aus dem Dunkel der Geschichte und wird in einer Urkunde der Abtei Malmedy-Stablo erstmals urkundlich erwähnt, es gehört zur Herrschaft der Edelherren von Dollendorf, u.a. Gerlach von Dollendorf-Kronenburg; seit 1327 gibt es ein Rittergeschlecht derer von Kronenburg, sie unterhalten politische Beziehungen teils zu Luxemburg, teils zu Kurköln; erste kriegerische Auseinandersetzungen.
Der Johanniter-Ritterorden hat 1277 bereits eine Niederlassung in Kronenburg, er ist bis 1803 Patronatsherr.

um 1300
Die Edelherren von Kronenburg steigen in den Ritterstand auf.

1306
Gerlach nimmt die Herrschaft Kronenburg von Luxemburg zu Lehen, er oder sein Vater beginnen die Linie der Kronenburger Herren.

1327
Ende der Personalunion der Herrschaftsbereiche Dollendorf-Kronenburg; Kronenburg liegt mitten im Spannungsfeld der verschiedenen politischen Kräfte, die in dieser Region aufeinanderstoßen: Kurköln, Jülich, Kurtrier und Luxemburg.

1350
Kronenburg wird Stadt (oppidum) genannt.

um 1400
Kronenburg erhält Ringmauern, Türme und Tore; der wehrhafte Ostturm der Kirche ist in die Verteidigungsanlage der Stadt einbezogen.

1414
Die Linie der Kronenburger Ritter stirbt im Mannesstamm mit Peter von Kronenburg aus. Die einzige Tochter Mechthilde heiratet einen Edelherrn aus Lothringen. Kronenburg wird Nebensitz anderer Herrschaften, zuletzt von Manderscheid-Schleiden (1487-1593); Eisenerzvorkommen (Stadtkyll, Dahlem) und Holzkohle, sowie das Wasser der Kyll, welches den Schmiedehammer antreibt, führen bald zu wirtschaftlicher Blüte mit der Folge: Eisenhütten werden in Kronenburgerhütte und Hammerhütte errichtet; Fertigung von Takenplatten, eisernen Öfen und Töpfen, die bis nach Franken und Schwaben verkauft werden.

um 1550
Kronenburg wird erneut dem luxemburgischen Lehenshof unterworfen; einige Jahre später kommt Kronenburg unter die spanische Krone, was den Namen "Spanisches Ländchen" erklärt, der sich bis heute lokal erhalten hat.
Kronenburg hat das Privileg der Steuerfreiheit.

Nr. 3 Ansicht auf den Burgbering um 1926

Nr. 3 Ansicht auf den Burgbering um 1926

Hoch über der Talaue der Kyll thront die Kronenburg, heute nur noch in kümmerlichen Resten erhalten. Ihr zu Füßen liegt der Ortsteil Kronenburgerhütte. Die Mäander der Kyll vermitteln das Bild einer liebreizenden Landschaft. Nichts deutet mehr darauf hin, dass hier einstmals die Schlote der Eisenindustrie rauchten. Nur der Name kündet noch vom einstigen wirtschaftlichen Wohlstand zu einer Zeit, als der Lärm der Hammer- und Hüttenwerke das Tal erfüllte.

In den 1920er Jahren dienten die Relikte/Ruinen der einstigen stolzen Kronenburg als Kulisse für Theaterstücke. Kronenburg erlangte mit seinen Tellspielen einen für damalige Verhältnisse relativ hohen Bekanntheitsgrad. Die Einwohner von Kronenburg und Kronenburgerhütte (im Hintergrund) agierten dabei mit viel Hingabe als Schauspieler (Foto um 1924)

Bildquelle: BDA (=Bischöfliches Diözesanarchiv Aachen) Pfa Kronenburg Nr. 217

1560-93
Kronenburg ist kurzzeitig evangelisch.

1597
Durch königliches Dekret wird wieder ein katholischer Pfarrer eingesetzt und allen Bewohnern befohlen, sich nach der katholischen Religion "zu verhalten".

1602
Kronenburg hat bereits eine Schule.

1618-48
Kronenburg bleibt im 30-jährigen Krieg nicht verschont, abwechselnd lassen sich Franzosen, Schweden, Niederländer und Spanier nieder, sengen und plündern. Immer wieder belastende Kriegskontribution: so müssen z.B. jedem Soldaten 2 Pfund Brot, 1 Pfund Fleisch und 1 ½ Maß Bier täglich verabfolgt werden (K hat seit 1564 ein Brauhaus); Piccolomini, ein General unter Wallenstein, ist 1631 in Kronenburg.

1647
100 Holländer dringen nachts über Leitern in die Burg, nehmen eine luxemburgische Kompanie gefangen und führen sie nach Maastricht.

1649-1715
Die Bevölkerung der Herrschaft Kronenburg ist um die Hälfte geschrumpft: Kronenburg 22, Kronenburgerhütte 15, Hammerhütte 3, Dahlem 31, Baasem 24, Ormont 14, Kerschenbach 3, Scheid 2, Frauenkron 2, Hallschlag 13, Berk 7, Udenbreth 20, Schnorrenberg 4, Metzigerode 1, Dalmerscheid 2, Steffeln 19 Haushalte (insgesamt ca. 1000 Einwohner). Bis 1715 findet sich Kronenburg ständig in kriegerische Auseinandersetzungen einbezogen mit all seinen Folgen für die Wirtschaft.

1719
Die Kronenburg wird für 120 000 Gulden an den letzten Grafen von Blankenheim verkauft, einem der mächtigsten Herrscherhäuser im Rheinland; die Kronenburg allerdings wird als sehr baufällig bezeichnet. Wirtschaftlich geht es endlich wieder aufwärts.

1766
Das neue Burghaus wird erbaut, es ist Sitz des gräflichen Amtsverwalters. Der Amtmann de la Fontaine wird wegen hoher Kostenüberziehung beim Neubau fristlos entlassen und Thomas Faymonville als Amtmann eingesetzt. Langsam erholt sich das Kronenburger Land von den Verwüstungen.

1794
Die Franzosen besetzen im Verlauf der französischen Revolution das Land und schlagen Kronenburg zum Departement Ourthe; Kronenburg gehört zur Diözese Lüttich.

1809/12
Die Franzosen versteigern den Burgbesitz, die Ländereien und Hüttenwerke Kronenburgerhütte und Hammerhütte, die der ehemalige gräfliche Amtmann Faymonville erwirbt. Barbara Franziska Faymonville, geb. 1782, heiratet den Gutsbesitzer Jacob Lorent aus St. Vith, sie haben 9 Kinder.

Nr. 6 Burgansicht Merian um 1620 Rhein.

Nr. 6 Burgansicht Merian um 1620 Rhein.

Nr. 7 Burghaus Kronenburg 1952

Nr. 7 Burghaus Kronenburg 1952

Bildquelle: Bildarchiv Gemeinde Dahlem

















seit 1819

Kronenburg gehört zum Königreich Preußen; auf Grund von Umstrukturierungen im Bereich der Verwaltung der preußischen Rheinlande gerät Kronenburg allerdings in eine Randlage, es verliert seine einstige Bedeutung als Verwaltungsmittelpunkt und Sitz eines hohen Gerichts, selbst das Notariat - lange Jahre in den Händen der Pallands - wandert1870 nach Blankenheim ab. Die Bevölkerungszahl sinkt von 600 um das Jahr 1800 auf nur noch 350 um das Jahr 1900.

Mitte 19. Jh.
Friedrich Faymonville übernimmt das Burghaus mit dazugehörigen Dependenzien.

zweite Hälfte 19. Jh.
Infolge des Niedergangs der Hüttenwerke werden die alte Burg und der überwiegende Teil der Ländereien versteigert. Der ledigen und letzten Nachfahrin aus der Ehe Faymonville-Görrig, Katharina Faymonville, verbleibt das Burghaus, das sie zu einem Haus für Wanderfreunde und Maler, einer Art Fremdenpension, umgestaltet; sie begründet damit in Kronenburg die Ära des Tourismus. Sie wird allgemein das "Burg-Nettchen" genannt.

1912
Eröffnung der Eisenbahnlinie Jünkerath - Kronenburg - Weywerts (heute Belgien), die allerdings nur in den beiden Weltkriegen eine größere Rolle spielt.

1921-1926
Kronenburg erlangt weit über die Ortsgrenzen hinweg einige Berühmtheit durch die Aufführung des Schillerschen Dramas "Wilhelm Tell", das unterhalb der Kronenburg auf einer Freilichtbühne von Kronenburger Frauen, Männern und Kindern aufgeführt wird; Initiator: Pfarrer Windelschmidt und Lehrer Finken. Insgesamt wird das Stück 55mal aufgeführt.

1938
Gründung der "Meisterschule der Malerei" unter der Leitung des Malers Werner Peiner und der Schirmherrschaft von Hermann Göring. Bekannte Schüler: Willi Sitte und Rolf Dettmann u.a.

1939-1945
Kronenburg erleidet Beschädigungen durch Kriegseinwirkung, hauptsächlich durch amerikanische Artillerie; die Amerikaner stehen zwar schon im Herbst 1944 an der belgischen Westgrenze, rücken allerdings erst nach der gescheiterten Ardennenoffensive im März in Kronenburg ein.

1951
Katharina "Nettchen" Faymonville verkauft ihren gesamten Besitz, der durch den Krieg doch erheblich gelitten hat, an Dr. Jacques Lorent aus St. Vith, einen entfernten Verwandten, dessen Urgroßmutter Barbara Franziska Faymonville aus dem Burghaus stammt. Katharina, "Nette", blieb im Haus. Als sie 1969 starb, war sie 89 Jahre alt.

1969
Im Zuge der kommunalen Neugliederung wird Kronenburg ein Ortsteil der Gemeinde Dahlem.

1976-2006
Das Burghaus wird als Hotel-Pension von der Familie Hofer geführt.

1977
700-Jahr-Feier in Kronenburg.

1980
Kronenburg hat 309 Einwohner.

Seit 1880
Kronenburg gilt mit seinem liebevoll restaurierten historischen Ortskern rund um die alte Burgruine als ein Aushängeschild der Gemeinde Dahlem und als Touristenmagnet. Der Bau des Kronenburger Sees am Fuße des Ferienparks hat die Attraktivität des Ortes weiter erhöht.
Weit über die Gemeindegrenzen hinweg sind bekannt:

  • Die Kronenburger Kunst- und Kulturtage in jedem Herbst
  • Der Kronenburger Weihnachtsmarkt
  • Der Kronenburger Flohmarkt im Sommer
Kontakt/Postanschrift:
Arbeitskreis Kultur & Geschichte
-Rathaus-
Schmidtheim, Hauptstr. 23
53949 Dahlem

Tel.: (0 24 47) 95 55 0
Fax: (0 24 47) 95 55 55

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